150 Jahre L. C. Tiffany

Er war ein Millionärssohn, ein Perfektionist und ein arroganter Geschäftsmann. Er war ein Liebling der amerikanischen Mittelklasse und zugleich ein Widerling für seine Nachbarn und Mitarbeiter. Die Reichen und die Armen rissen ihm seine Vasen, Lampen und Gläser aus den Händen und die Zeitungen feierten ihn als den führenden Kunsthandwerker der USA.
Im Revolutionsjahr 1848 war in Europa der Preis für Diamanten um die Hälfte gefallen.
Tiffanys Geschäftspartner John Young nutzte die Unruhen auf dem europäischen Kontinent und kaufte Edelsteine aus der Sammlung Esterhazy und den französischen Kronjuwelen. Zurück in New York wurden die Edelsteine in ungewöhnlichen Fensterauslagen ausgestellt. Die Präsentation lockte die Kunden an. Es lohnte sich für einen New Yorker Bürger, bei Tiffany reinzuschauen.
Die Schaufenster waren für ihre Zeit sensationell: Chinesische Sonnenschirme, Lederarbeiten, Teller aus Terrakotta und Fächer waren liebevoll drapiert neben Glas aus Böhmen, Meißner Porzellan oder französischen Uhren.

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In dieser Lehr- und Wanderzeit hatte er seinen festen Wohnsitz in Paris, weil er fließend französisch sprach. Ständig war er auf Reisen, um die alten Meister und ihre Techniken zu studieren. Er besuchte Spanien, Italien und Deutschland, ein Land, das ihn faszinierte, obwohl er kaum Deutsch sprach.
In Frankreich zog ihn immer wieder die Kathedrale von Chartres an, wo er die Kirchenfenster aus dem 13. Jahrhundert bewunderte. Das funkelnde Rubinrot der Fenster fesselte ihn.

Wer war dieser Mann?
Louis Comfort Tiffany wurde vor 150 Jahren geboren. Am 18. Februar 1848 kam der Sohn einer New Yorker Kaufmannsfamilie zur Welt. Sein Vater, Charles Lewis Tiffany, war der Gründer des sagenumwobenen Juwelier- und Silbergeschäfts Tiffany & Co. am unteren Broadway. Louis Karriere war von Anfang an alles andere als eine typisch amerikanische. Sein Vater war 1848 Besitzer des teuersten Juwelierladens der Welt.
Der Reichtum von Charles Tiffany basierte auf hervorragende Geschäftskontakte nach Europa und brillanten Verkaufsideen.
Louis war ein schwieriges Kind - verträumt, stolz, launenhaft, penibel und unangepaßt. Zweimal mußte er die Schule verlassen. Zuletzt sogar die Militärakademie Eagleswood, die den jungen Kadetten Tiffany 1866 unehrenhaft entließ. Was sollte aus einem jungen Mann werden, der ein starkes Selbstbewußtsein hatte, sich aber keiner Konvention anpassen wollte?
Nach der Militärakademie begann Louis zunächst seine Laufbahn als Maler - mit Unterstützung des Vaters, dem bewußt war, daß sein kreativer und eigenwilliger Sohn das Geschäft nicht übernehmen werde. In seinen ersten Beruf startete er nicht mit einer Lehre oder einem Studium, sondern mit einer Reise nach Europa. Louis war 17 Jahre alt, als er zum ersten Mal den alten Kontinent betrat. In dieser Umgebung verbrachte Louis Tiffany seine Kindheit. Zuhause war das Einfache und Häßliche verpönt.

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Die Glasmacher des Mittelalters besaßen noch jene Kunstfertigkeit, die den Farbgläsern Dynamik und Struktur verlieh. Diese Technik wurde im 19. Jahrhundert nicht mehr praktiziert. Farbige Glasfenster waren lediglich auf Glas gemalte Bilder Tiffany war ebenso fasziniert von den neuen Strömungen in der europäischen Kunstszene: Dem Orientalismus und den Vorläufern des Impressionismus, die nicht mehr detailgetreu die Wirklichkeit abbilden sollten, sondern ihre Gefühle auf die Leinwand brachten.
Tiffany hatte engen Kontakt zu den Maler- und Schriftstellerkreisen in Paris. Von intellektuellen Diskussionen hielt er allerdings wenig. Er teilte die Kritik am Kapitalismus und an der Industrialisierung nicht, obwohl der junge Amerikaner eine Neigung zur Romantik und zur Natur hatte.Tiffanys Botschaft war dagegen unpolitisch und schlicht:
Die Suche nach dem Schönen.

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Er aß von Tellern aus Meißner Porzellan, trank aus edlen Porzellantassen und spielte mit chinesischen Sonnenschirmen. Die Liebe für das Seltene und Schöne kam vom Vater; die strenge Erziehung jedoch von der Mutter. Harriet Tiffany stammte aus einem tiefreligiösen protestantischen Elternhaus und in diesem Glauben wurden ihre Kinder erzogen (Louis hatte noch zwei Schwestern).

Zurück in Amerika wurden Tiffanys Landschaftsbilder gefeiert. Museen und Galerien in Washington und Philadelphia stellten seine Werke aus. Die Erfolge als Maler stellten ihn nur kurzfristig zufrieden, mit Ende Zwanzig begann er, mit neuen Werkstoffen und Techniken zu experimentieren. Er fotografierte, lernte die Technik des Emaillierens und versuchte 1875 erstmalig, eigene Gläser herzustellen. Vier Jahre später schrieb er in sein Tagebuch: „Ich werde die dekorativen Künste zu meinem Beruf machen.“ Die Zeit dafür war ideal. Die amerikanische Wirtschaft boomte und der Bedarf an schönen Alltagsgegenständen war riesengroß. Tiffany konzentrierte sich anfangs auf die speziellen Bedürfnisse seiner Kunden: Innendekorationen für Villen und Wohnhäuser. Er wurde zum Star der amerikanischen Innenarchitekten, als er 1873 den Auftrag erhielt, für 15.000 $ die Repräsentationsräume des Weißen Hauses in Washington neu zu gestalten. Tageszeitungen und Magazine druckten seine Entwürfe und Pläne - eine perfekte Werbung für Tiffany mit weitreichenden Folgen: Der Industrielle Carnegie und der Schriftsteller Mark Twain bestellten ihre Hauseinrichtungen bei dem Juwelierssohn Doch der Erfolg führte in den Ruin. Im Jahr 1886 erhielt Tiffany den Auftrag, den Saal des Lyceum-Theaters in New York zu entwerfen. Das Ergebnis war eine Sensation. Zusammen mit dem genialen Erfinder Thomas Edison, der für die Lichtgestaltung verantwortlich war, komponierte Tiffany einen hellen und klaren Saal, der die New Yorker anzog. Leider war das Bühnenstück ein Mißerfolg, so daß die Produzenten Tiffanys Arbeit nicht bezahlen konnten. Statt dessen boten sie ihm eine Beteiligung an dem Musical an. Tiffany nahm an und verlor sein ganzes Geld.